Bisher sah es mit dem Schutz der Nord- und Ostsee eher düster aus. Zwar sind teilweise seit Jahren große Schutzgebiete ausgewiesen, aber der Begriff ist dehnbar: Fischerei ist bislang in allen Schutzgebieten weiterhin erlaubt, auch am Sylter Außenriff und im Nationalpark Wattenmeer. Für die Fischerei gab es auch keinerlei Beschränkungen, wie die eindeutigen Daten des Global Fishing Watch dokumentieren. Auch der Skandal um den Fehmarnbelt-Tunnel ist erwähnenswert, der durch das Fehmarnbelt-Schutzgebiet getrieben wird und die wichtigen Laichgründe der letzten Dorsche in der Ostsee zerstört.
Schleswig-Holstein ändert diese Haltung nun. Die Landesregierung hat drei neue Schutzgebiete etabliert: Die Hohwachter Bucht, die Geltinger Bucht von der Flensburger Förde bis zur Schleimündung, und ein großes Schutzgebiet westlich von Fehmarn.
Das besonders bemerkenswerte daran: Die neuen Schutzgebiete werden sogenannte „No Take”-Zonen: Nichts darf entnommen werden, also weder Fischerei oder Jagd noch Bauvorhaben oder Rohstoffabbau, nicht einmal die Entnahme von Pflanzen. Und das soll absolut gelten, ohne Ausnahmen. Die Natur wird wortwörtlich sich selbst überlassen und soll so mit Seegraswiesen und Riffen einen wichtigen Rückzugsort für Fische, Schweinswale und Seevögel bieten. Allein das Schwimmen, Baden, Tauchen und Angeln vom Ufer her bleiben erlaubt. Für Schiffe sollen ganzjährige Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt werden, um die Lärmbelastung weiter zu verringern.
Der vor zwei Jahren beschlossene „Aktionsplan Ostseeschutz” sieht vor, dass bis 2030 insgesamt 12,5 Prozent der Ostsee unter den strengen Schutz solcher „No Take”-Zonen gestellt werden soll. Mit den drei neuen Schutzgebieten sind gut 7,5 Prozent erreicht.
Auch wenn der Weg noch nicht ganz gegangen ist: Ein guter Anfang ist gemacht.