Plastik im Meer

Schätzungen zu Folge sind bisher durch den Menschen 86 Millionen Tonnen Plastik im Meer gelandet. Jedes Jahr kommen etwa 10 Millionen Tonnen hinzu [Quellen 1-2].


Plastikabfälle, die über unsere Flüsse im Meer landen, lassen Tiere sterben. Egal, ob eine Robbe an einem Plastikring um den Hals allmählich erstickt, ein Wal Plastik frisst oder eine Schildkröte Plastiktüten mit Quallen verwechselt, sie frisst und daran verendet, das Dilemma ist unser unendlicher Plastikkonsum und die durch die Fischerei verursachten Geisternetze. Die Basstölpel auf Helgoland bauen mittlerweile zu fast 90% ihre Nester aus Fischereinetzen. Die Jungvögel verheddern sich darin und verenden elendig. Die weltweite industrielle Fischerei tut ihr übriges. 4,5 Millionen Fischereischiffe mit 40 Millionen Fischern an Bord setzen den Fischbeständen in unseren Ozeanen weltweit unerlässlich zu [Quelle 3].

Nichts, was wir wegschmeißen, ist jemals wirklich „weg“. Das gilt ganz besonders für Plastik, das im Meer landet. Diese Erkenntnis scheint viele Menschen erst jetzt so allmählich zu ereilen, denn immer noch verschwinden jedes Jahr zahllose Fanggeräte der Fischereiflotten in den Tiefen unserer Ozeane. Von den Schelfmeeren bis zu Tiefseebecken haben portugiesische und spanische Forscher die europäischen Gewässer nach Plastik abgesucht und die Ergebnisse in ihrer Studie veröffentlicht [Quelle 4]: Es lag überall. Die meisten Plastikteile fanden sie in den Tiefseegräben, die sonst außerhalb unserer Einflüsse liegen. Verlorengegangene Netze stellten dabei mehr als ein Drittel der Müllmenge. Allein in der Ostsee gehen pro Jahr zwischen 5 und 10 Tausend Netze über Bord [Quelle 5].


Nach ihrem Verschwinden sind diese Netze treibende Todesfallen. Wie lange sie weiter Meeresbewohner fangen, ist noch nicht vollends geklärt und hängt auch mit den Umwelteinflüssen zusammen, beispielsweise wie schnell ein Netz von Algen, Schwämmen und Krebstieren so zugewachsen ist, dass es quasi mit seiner Umgebung verschmilzt. Schätzungen gehen davon aus, dass es bis zu 27 Monate dauern kann, bis ein Netz durch den Bewuchs sesshafter Organismen unschädlich gemacht wurde [Quelle 6].


Mittlerweile sind mehr als 500 Tierarten von diesem Verhedderungsproblem bedroht. Ganze 83% der Atlantischen Nordkaper (Eubalaena glacialis) tragen Plastikteile am Körper, 7 von 7 existierenden Meeresschildkröten-Arten werden in Geisternetzen verstrickt und ersticken dortelendig zusammen mit Walen, Robben und Haien [Quelle 6]. Wo die Netze nicht sofort töten, schränken sie die Bewegungsfreiheit dramatisch ein oder verhindern die Nahrungsaufnahme. Da das Plastik nicht verrottet, sondern nur kleingerieben wird, bilden sich im Laufe der Zeit einzelne Fasern und Mikroplastik. Und selbst dann hört das Töten nicht auf: Das Mikroplastik füllt die Mägen schon der kleinsten Tiere in der Nahrungskette, und Seevögel, unter ihnen die Basstölpel von Helgoland, bringen die quietschbunten Fasern nichtsahnend für den Nestbau von der Reise mit. Diese Dekoration hat schon vielen Seevogelküken an den Steilklippen das Leben gekostet. Bei genauem Hinsehen hängen hunderte Leichen wie makabre Galionsfiguren an den roten Felsen.


Glücklicherweise gibt es weltweit Bemühungen, die freischaffenden Tötungsinstrumente wieder einzusammeln. Dazu gehören das Olive Ridley Project auf den Malediven, die Bemühungen der norwegischen Regierung seit 2018 [Quelle 7] und zahlreiche Projekte des WWF in unserer heimischen Nord- und Ostsee. Auch viele Hobbytaucher melden oder bergen Geisternetze bei ihren Tauchgängen.


Noch besser wäre es natürlich, wenn man die Netze gar nicht erst wieder rausholen müsste.

Quellen:

(Leserichtung, links nach

rechts, oben nach unten)

1. Heinrich-Böll-Stiftung (2019): Plastikatlas.Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff (4. Auflage).

https://www.boell.de/de/2019/05/14/plastikatlas?dimension1=ds_plastikatlas

2. Heinrich-Böll-Stiftung (Zugr. 10.10.20): Plastik im Meer.

https://www.boell.de/de/plastik-im-meer

3. FAO (2019): FAO yearbook. Fishery and Aquaculture Statistics 2017.

http://www.fao.org/fishery/static/Yearbook/YB2017_USBcard/navigation/index_intro_e.htm

4. C. K. Pham et al. (2014): Marine litter distribution and density in European seas, from the shelves to deep basins. PloS one.

https://doi.org/10.1371/journal.pone.0095839

5. M. Szulc (2012): Collecting ghost nets in the Baltic Sea. Final report on the activities conducted in 2012. WWF Poland Foundation.

http://www.balticsea2020.org/english/images/Bilagor/Ghost_net_EN_final.pdf

6. S. Kühn et al. (2015): Deleterious Effects of Litter on Marine Life. In: Marine Anthropogenic Litter. Editoren: M. Bergmann, L. Gutow, M. Klages. Springer International Publishing.

https://doi.org/10.1007/978-3-319-16510-3_4

7. The Maritime Executive (2018): Norwegians entrepeneurs aim to end ghost fishing.

https://www.maritime-executive.com/editorials/norwegian-entrepreneurs-aim-to-end-ghost-fishing

Bildnachweise:

(Leserichtung, links nach

rechts, oben nach unten)

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