Eigentlich haben die Malediven ein Umwelt- und Meeresschutzgebiet ausgerufen und waren so über ein Jahrzehnt lang Vorbild für die Welt. Das ist seit November 2025 Geschichte, als die Langleinenfischerei auf Schlinghaie (auch Rauer Dornhai, Gulper Shark, Centrophorus granulosus) in den Gewässern der Malediven wieder erlaubt wurde. Schlinghaie leben in der Tiefsee, aber Langleinen selektieren nicht, welche Tiere sie angeln. Und die Fischer nehmen diesen Beifang offensichtlich sehr gerne und effektiv an – es wird wieder gefinnt: den Haien werden bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten, um diese in die asiatische Gastronomie zu verkaufen. Die Tiere werden ohne ihre Flossen wieder über Bord geworfen und sterben meistens qualvoll. Seit einiger Zeit mehren sich die Nachrichten von Vorfällen vor den Malediven, bei denen auch andere Haiarten betroffen sind, gefinnte Weißspitzenhochseehaie beispielsweise.
Unser Video wurde vom örtlichen Meeresbiologen Aahil Ibrahim am 12. Februar 2026 vor der Insel Fuvahmulah (Malediven) aufgenommen. Es zeigt ein Tigerhaiweibchen, dem die Rückflossen, eine Brustflosse und der untere Teil der Schwanzflosse fehlen – an den “sauberen” Schnittkanten eindeutig erkennbar nicht durch Unfälle, sondern durch ein scharfes menschliches Messer. Die Taucher vor Ort, die dieses Video gemacht haben, haben sie “Fin” getauft und beobachten sie weiter. Ein weiteres Tigerhaiweibchen ist von der örtlichen Meeresbiologin Luca Asshauer, mit der ElasmOcean zusammenarbeitet, vor Fuvahmulah aufgenommen worden. Ihr fehlten die Rückenflosse und wie bei “Fin” der untere Teil der Schwanzflosse. Sie wurde seitdem nicht mehr gesichtet. “Fin” überlebt nun schon seit einigen Monaten mit diesem Handicap, ein Zeichen dafür, wie widerstandsfähig Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) sind.
Wir müssen nicht klarstellen, dass ElasmOcean auf das Schärfste das Finning verurteilt. Wir fordern die Regierung (und Polizei und Gerichte) der Malediven auf, aktiv und effektiv diese unglaubliche Tierquälerei zu bekämpfen. Eine selektive Langleinenfischerei kann es nicht geben: Jede ungesteuerte Angelei mit langen Leinen, an denen unzählige Haken durch die See gezerrt werden, kann nur “Beifang” produzieren, der zu oft gegen internationale Abkommen wie das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES verstößt und immer schlicht unmenschlich und unanständig gegenüber der Tierwelt der Ozeane ist.