

der Knorpelfische bedroht¹
Pflanzen- und Tierarten weltweit²
Arten vom Aussterben bedroht³
Gefährdete Arten
Die Rote Liste bedrohter Arten der IUCN ist im Internet kostenfrei zur Recherche erreichbar: https://www.iucnredlist.org/.
Der globale IPBES-Bericht von 2019 schätzt, dass es weltweit etwa acht Millionen Tier- und Pflanzenarten gibt. Rund eine Million von ihnen sind vom Aussterben bedroht – viele bereits innerhalb der kommenden Jahrzehnte, wenn die Ursachen des Biodiversitätsverlusts nicht deutlich reduziert werden [Quellen 1-3].
Bis heute weiß die Menschheit zu wenig über die Biodiversität und die Zusammenhänge des Ökosystems dieser Erde. Trotzdem zerstören wir unerlässlich den Lebensraum von Millionen von Tieren und Pflanzen. Das, was der Mensch an Zerstörung über Wasser mit seinen eigenen Augen sehen kann und es größtenteils trotzdem nicht ändert, verliert sich unterhalb des Meeresspiegels völlig. Das, was wir nicht sehen, bleibt uns verborgen, und so beutet die Menschheit das Meer weiterhin gnadenlos aus.
Das Problem dabei: begreifen wir an Land schon viele Zusammenhänge immer noch nicht, so ist das Ökosystem Ozean gleichwohl komplizierter. Lebewesen ergänzen sich, jedes noch so kleine Lebewesen hat seinen wichtigen Platz und könnte, falls verschwunden, das so fragile Ökosystem beeinflussen, ja, sogar zum Sterben bringen.
Biodiversität
Die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, gliedert sich in drei grobe Ebenen und ist ausschlaggebend für die Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen [Quelle 1]. Das Wechselspiel zwischen den einzelnen Ebenen ermöglicht den Fortbestand des Lebens. Dennoch, und ungeachtet der bisherigen Schutzmaßnahmen, ist die Biodiversität unseres Planeten bedroht.
Beim Begriff „biologische Vielfalt“ denken die meisten Menschen vermutlich erst einmal an das Artensterben. Dieses ist natürlich auch eng daran geknüpft, aber es steckt mehr dahinter: Die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und ihres Erbguts.
Genetische Vielfalt entsteht unter anderem durch Mutationen und Rekombination und kann durch den Austausch von Genen zwischen Populationen beeinflusst werden. Sie liefert das Rohmaterial, auf das natürliche Selektion wirken kann, und ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für die evolutionäre Anpassungsfähigkeit von Populationen. Kleine Populationen verlieren durch genetische Drift häufig genetische Vielfalt und sind stärker von Inzucht bedroht. Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl der vorhandenen Individuen, sondern die sogenannte effektive Populationsgröße, die beschreibt vereinfacht, wie viele Individuen tatsächlich zur genetischen Vielfalt der nächsten Generation beitragen. Wie groß eine solche Population dann letztendlich sein muss kann bei verschiedenen Arten sehr unterschiedlich sein.
Je mehr Tiere es von einer Art gibt, desto größer ist die Chance, dass einzelne Individuen unter verschärften Bedingungen überleben können. Sinkt die Zahl der Individuen, so kommt es erst zur Stagnation der Anpassungsfähigkeit (grob geschätzt unter 500 Tiere) und dann zur Inzucht (etwa ab unter 50 Tieren) [Quelle 4]. Bei der Arterhaltung im Zoo ist genau das natürlich problematisch, da kleine Zuchtpopulationen ein aufwendiges genetisches Management erfordern und Zoos hier häufig weder ausreichend Kapazität besitzen noch Lebensraumschutz ersetzen können.
Auf der höchsten, komplexesten Ebene steht die Vielfalt der Ökosysteme. Den Globus umspannend, sind sie miteinander vernetzt: Von den tropischen Korallenriffen, Seegraswiesen und den Böden der Tiefsee über Flüsse, Wälder, Wiesen bis hin zu Eiswüsten und der Tundra an den Polen. Selbst an der Unterseite des Meereises bilden Algen und Plankton die Basis für ein produktives, nährstoffreiches Ökosystem. Ökosysteme fixieren Energie in Biomasse, speichern Kohlenstoff, stellen Sauerstoff und Nahrung bereit, regulieren Stoffkreisläufe und können Küsten vor Erosion schützen. Diese Benefits werden als Ökosystemleistungen bezeichnet und sind in den meisten Fällen sehr viel wertvoller als eine einzelne Ressource, deren Abbau das Ökosystem zum Kippen brächte.
Das Fundament eines funktionierenden Ökosystems sind die Tier- und Pflanzenarten, Mikroorganismen und Pilze, die es besiedeln. Dabei gibt es sogenannte „keystone species“, Schlüsselarten, die ihre Umgebung maßgeblich formen und beeinflussen, wie beispielsweise riffbildende Korallen. Im Umweltschutz kommen häufig „flagship species“ zum Einsatz, Flaggschiffarten, deren Erhaltung stellvertretend für ihre Mitbewohner im Ökosystem vorangetrieben werden soll. Artenschutz geht allerdings weit über den Schutz der freundlichen Delfine oder der niedlichen Wildkatze hinaus – unter ihrem Rettungsschirm gedeihen auch andere wichtige Arten.
Ein Problem des Biodiversitätsschutzes ist der schleichende Prozess, durch den das Aussterben verläuft. Erst wird aus einer zahlreichen Bevölkerung der Erde oder der Ozeane eine zusammengeschrumpfte, seltene Art. Es gibt nur noch wenige Nashörner in Afrikas Savannen – wäre ihr Aussterben so fatal? Aus der Perspektive einiger Jahre vielleicht nicht. Aus der Perspektive einiger Generationen, innerhalb derer ihre einstmals große Zahl dezimiert wurde, aber sehr. Unsere weichgespülte Wahrnehmung von Veränderung wird „shifting baseline“ genannt (verschobene Nulllinie). Rufen wir uns die Veränderungen nicht immer wieder bewusst ins Gedächtnis, geraten sie im Alltagsgeschehen in Vergessenheit [Quelle 5].
Ökosystem Ozean
Die Ozeane bedecken 70 % der Erdoberfläche und beinhalten 93 % des weltweiten Wassers [Quelle 4]. Von den Polkappen bis zum Äquator sind sie über ein riesiges Förderband aus Meeresströmungen miteinander verbunden. Angetrieben werden sie von der thermohalinen Zirkulation – dem Aufstieg warmer Wassermassen und dem Abstieg kalter, dichterer Wassermassen und einem daraus entstehenden Sog. Alles im Meer ist miteinander verbunden [Quelle 6].
Grob unterteilen lässt sich das Meer in verschiedene Tiefenabschnitte und in geographische Breite. Lebewesen im Ozean lassen sich aufgrund ihrer Lebensweise in bodenlebende, „benthische“ Arten und „pelagische“ Arten, die schwimmend in der Wassersäule leben, unterscheiden.
Die Nahrungsgrundlage für das Leben im Meer bilden Cyanobakterien und einzellige Algen wie z.B. Diatomeen (Kieselalgen), die im offenen Ozean Photosynthese betreiben und Phytoplankton genannt werden. Sie liefern Energie für die nächste Stufe im Nahrungsnetz, das Zooplankton. Hier finden sich kleinere Krebstiere wie Copepoden oder Krill, aber auch die Larven von Fischen, Würmern und Weichtieren. Plankton zählt ebenso wie die Haie, Wale und die meisten Fische zum pelagischen Leben. Fast alle marinen Tiere sind irgendwann im Laufe ihres Lebens Teil des Zooplankton – man kann seine Rolle also gar nicht unterschätzen. Es bildet die Nahrungsgrundlage für fast alles größere Leben im Meer – über kleinere Fische bis hin zu Bartenwalen und den großen Räubern wie Haien oder Schwertwalen [Quelle 7].
Wo sich die Kontinente aus den Wogen erheben, grenzen die Schelfmeere an unsere Küsten. Diese unterseeischen Kontinentalplatten reichen bis in eine Tiefe von etwa zweihundert Metern und fallen danach steil in die Tiefe ab. Am Fuß der Kontinentalhänge beginnt in Tiefen ab 2.000 Metern die Tiefsee. Während es in den „flachen“ Schelfmeeren noch genügend Licht für das Wachstum von Algen, Seegras und Korallen gibt,hängt sämtliches Leben in der Tiefsee vom Nährstoffeintrag von oben ab – dem marinen Schnee. Fehlen oben an der Oberfläche die Nährstoffe, beispielsweise durch Überfischung oder eine ausgehungerte Planktonblüte, stirbt auch das Leben in der Tiefsee. Diese Abhängigkeit wird benthisch-pelagische Kopplung genannt und ist ein Faktor, der im Fischereimanagement nur selten mitbeleuchtet wird [Quelle 8].




