
Vor einigen Tagen erhielten wir eine sehr erfreuliche Nachricht von Lukas Müller, die wir Euch nicht vorenthalten möchten. Da er selbst am besten erklären kann, warum Forschung in dieser Region so wichtig ist, möchten wir einen Auszug aus seiner E-Mail mit Euch teilen:
„Ich wollte euch die schöne Nachricht weitergeben, dass unsere Studie zu Bullenhaien im Bazaruto Seascape in Mosambik nun veröffentlicht wurde.
Vielen Dank nochmals für eure Unterstützung und Förderung dieses Projekts. Ohne Beiträge wie euren wäre diese langfristige Arbeit mit akustischer Telemetrie in Mosambik nicht möglich gewesen.
Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:
Wir konnten zeigen, dass das Bazaruto Seascape ein wichtiger Lebensraum für Bullenhaie ist. Einige Individuen, insbesondere adulte Weibchen, waren sehr standorttreu und wurden über lange Zeiträume regelmäßig in der Region nachgewiesen. Gleichzeitig dient das Gebiet als wichtiger Verbindungspunkt innerhalb eines größeren Bewegungskorridors entlang der südostafrikanischen Küste. Die Haie waren mit Gebieten in Südmosambik, Südafrika und in einem Fall sogar mit Madagaskar verbunden.
Besonders spannend ist, dass ein Großteil der Kernhabitate innerhalb bestehender Schutzgebiete liegt, vor allem im Bazaruto Archipelago National Park (BANP) und im Vilanculos Coastal Wildlife Sanctuary (VCWS). Gleichzeitig reichen wichtige Habitate über die aktuellen Schutzgebietsgrenzen hinaus, und einige Kernbereiche befinden sich in Zonen, in denen Fischerei weiterhin erlaubt ist.
Aus Sicht des Naturschutzes bedeutet das: Bestehende Schutzgebiete sind wichtig, reichen allein jedoch nicht aus. Die Studie empfiehlt unter anderem eine mögliche Erweiterung der Schutzgebiete in seewärtiger Richtung beziehungsweise die Einrichtung von Pufferzonen für BANP und VCWS. Außerdem werden strengere und besser durchgesetzte Einschränkungen für besonders risikoreiche Fangmethoden wie Kiemennetze in wichtigen Riffhabitaten sowie eine engere Koordination zwischen den Schutzgebieten empfohlen. Auf regionaler Ebene braucht es darüber hinaus ein grenzüberschreitendes Management zwischen Mosambik und Südafrika, da die Tiere regelmäßig nationale Grenzen überschreiten.
Insgesamt zeigt die Studie deutlich, dass Bazaruto nicht nur ein lokaler Hotspot für Bullenhaie ist, sondern ein wichtiger Baustein für den Schutz der gesamten Population im westlichen Indischen Ozean.
Der vielleicht größte Wert der Studie liegt darin, dass ihre Ergebnisse aufgrund der angewandten Methodik – der akustischen Telemetrie – wissenschaftlich sehr belastbar sind und nur wenig Interpretationsspielraum lassen. Das ist besonders wichtig, da sich Sand- und Kupferminenprojekte sowie in der Vergangenheit auch der Öl- und Gaskonzern Sasol wiederholt um Genehmigungen in der Region bemüht haben. Die Verantwortlichen der Schutzgebiete können die Studie als wichtiges Argument in rechtlichen Verfahren nutzen, um solche Projekte weiterhin abzuwehren.
Nochmals vielen Dank für eure Unterstützung und euer Vertrauen in diese Arbeit. Ich freue mich sehr, dass wir dieses Projekt nun als veröffentlichte Studie vorliegen haben und hoffe, dass die Ergebnisse direkt in zukünftige Schutzmaßnahmen einfließen können.“
– Aus einer E-Mail von Lukas Müller
Die vollständige Studie mit allen detaillierten Ergebnissen findet Ihr hier:
Habitat Use, Residency, and Connectivity of Bull Sharks (Carcharhinus leucas) in the Bazaruto Seascape, Mozambique
Journal Fishes
https://www.mdpi.com/2410-3888/11/5/291




