Kann eine Fischerei, die nachweislich extrem viel CO₂ freisetzt, zudem den Meeresboden dauerhaft zerstört und bis zu 90 % ungewollten Beifang produziert, der meist tot wieder über Bord geworfen wird, nachhaltig sein? Wir meinen: nein!

Aktuell geht es darum, wie diese Form der Fischerei künftig in den Schutzgebieten der Nordsee praktiziert werden soll. Schutzgebiete auszuweisen und dort konsequent nicht mehr zu fischen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Doch auch dieses Vorhaben stößt auf erbitterten Widerstand seitens der Fischerei.

Derzeit gibt es kaum verbindliche Regelungen für die Grundschleppnetzfischerei in den geschützten Meeresgebieten der Nordsee. Dies soll sich künftig grundlegend ändern. Zum einen gibt es das erklärte 30x30-Ziel der UN, das von der EU übernommen wurde. Es besagt, dass 30 Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt werden sollen. Zehn Prozent der geschützten Gebiete sollen einem strengen Schutz unterliegen – ohne Fischerei, Bauaktivitäten, Rohstoffabbau und Berufsschifffahrt.

Zugegeben: Dieses Vorhaben lässt sich in der stark befahrenen und intensiv befischten Nordsee nur schwer umsetzen. Folglich prallen die sehr unterschiedlichen Interessen der Fischerei und der Umweltverbände hart aufeinander. Dazwischen steht die Landesregierung Niedersachsens, die einen tragfähigen Kompromiss finden muss.

Die einen wollen weiter fischen – schließlich ist dies seit Generationen Tradition. Die anderen vertreten die Interessen der Natur und möchten die Fischerei in ökologisch besonders wichtigen Gebieten deutlich einschränken oder ganz verbieten.

Fakt ist: Die Nordsee ist derzeit eine „Mordsee“ – ursprünglich der Titel eines Films aus den 1970er Jahren, heute jedoch eine durchaus treffende Beschreibung ihres Zustands. Dort, wo mit Grundschleppnetzen gefischt wird, wächst sprichwörtlich kein Grashalm mehr. Seegraswiesen sowie viele benthisch lebende Organismen und Tiere verschwinden. Fischbestände gehen zurück, Lebensräume schrumpfen.

Deshalb sollen künftig weite Gebiete vor Borkum, im Wattenmeer rund um die Blaue Jade vor Wangerooge sowie Teile des Jadebusens unter strengem Schutz stehen. Diese und weitere Gebiete im Nationalpark Wattenmeer hat die Landesregierung Niedersachsen als zukünftige Schutzgebiete ausgewählt.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz muss sogar rund die Hälfte des Nationalparks Wattenmeer geschützt sein und somit von der Fischerei freigehalten werden.

Es ist eine Patt-Situation: Fischerei versus Schutzgebiete. Eines steht fest: Meeresschutz wird auch Verlierer hervorbringen – in diesem Fall den einen oder anderen Krabbenfischer. Doch was wäre der Preis, wenn alles beim Alten bliebe und sich die Fischerei durchsetzt?

Genau das erleben wir bereits heute: eine „Mordsee“ – ein Meer ohne ökologisches Gleichgewicht, zusätzlich vermüllt durch Netzfragmente, ein Meer nicht nur ohne Fische und Krabben, sondern langfristig auch ohne charismatische Arten wie Schweinswal, Kegelrobbe und Seehund.

Wollen wir das?

Auch wenn es den einen oder anderen, vielleicht sogar einen Großteil der „traditionellen“ Krabbenfischer die Existenz kosten könnte, so machen sich die historischen Krabbenkutter auch als Museumsschiffe oder maritime Zeitzeugen in Häfen wie Greetsiel und andernorts gut. Nicht jede Tradition muss fortgeführt werden, und nicht alles, was seit Jahrhunderten existiert, sollte unverändert bestehen bleiben.

Daher stehen wir voll und ganz hinter den Forderungen der großen Naturschutzverbände und sind der Meinung, dass die Nordsee endlich konsequent geschützt werden muss – auch wenn dies vorübergehend mit wirtschaftlichen Einbußen durch die Fischerei verbunden ist.

Weitere Informationen findet Ihr hier:
Fischereifreie Gebiete in der Nordsee: Zu wenig Meer für die Natur | taz.de
Fischereidialog: Wattenmeer soll Schutzzone bekommen | tagesschau.de
Geplante Verbotszonen machen Fischern an der Nordsee Angst | ndr.de

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